Unbewusste Torschützen-Strategie
Einen Sieger hatte das Auftaktspiel des Bergischen HC beim ThSV Eisenach nicht verdient. Die Löwen verspielten beim 32:32 (13:13) ihren Anspruch auf zwei Punkte jeweils zu Beginn beider Halbzeiten, als sie die starken Thüringer auf fünf beziehungsweise vier Treffer davonziehen ließen.
Der fünfte Treffer von Henning Quade war sein schönster: Unter Bedrängnis von Nick Heinemann überwindet der Kreisläufer per Heber auch Eisenachs Schlussmann Radek Musil zum 31:30.
Jiri Vitek ist ein hohes Risiko eingegangen. 27 Sekunden sind noch zu spielen, als der Tscheche im rechten Rückraum hochsteigt und zum Wurf ansetzt. Die Bewegung ist rund, der Ball unhaltbar für Radek Musil zwischen den Pfosten des ThSV Eisenach. 32:32 – und der Gegner bekommt noch einmal reichlich Sekunden zur Verfügung gestellt, um vielleicht den Siegtreffer zu erzielen.
"Natürlich bestand die Gefahr, dass wir uns noch ein Tor fangen. Aber Vitek war in dieser Situation ganz frei. Dann muss er werfen." Für HaDe Schmitz gehört Jiri Vitek zu den erfahrenen Handballern in seinem Zweitliga-Team, denen er es überlässt, die Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn der Chefcoach des Bergischen HC von der Seitenlinie versucht hätte, die taktische Anweisung zu geben, die Zeit auszuspielen, sie wäre bei den Akteuren auf dem Feld kaum angekommen. "Bei der Lautstärke in der Halle hat man ja sein eigenes Wort kaum verstanden."
Erst recht nicht mehr, als die Thüringer ihren letzten Angriffsversuch starten. Ohne großartig über den Ausgleich zu jubeln, haben sich Vitek und Co. schnell wieder in ihrer 6:0-Abwehr formiert, ohne aber Eryk Kaluzinski am finalen Versuch hindern zu können. Sechs einfache Rückraum-Tore hatte der Ex-Leichlinger den Löwen bis dahin eingeschenkt, dieses Mal jedoch fehlt unter Zeitdruck die Präzision. Um wenige Zentimeter fliegt der Ball am linken Pfosten vorbei.
Als sich die Anspannung legte
Jiri Vitek hat somit alles richtig gemacht und das Unentschieden gesichert, über das sich keine Mannschaft beschweren durfte. Punktverlust oder Punktgewinn ? Diese Frage stellte sich nach dem intensiv geführten Zweitliga-Duell nicht, da es keinen Sieger verdient gehabt hat. Den Anspruch auf zwei Punkte hatten die Bergischen jeweils zu Beginn beider Halbzeiten verspielt. Erst nach dem 5:10 (17.) legte sich die Anspannung der ersten Saison-Minuten, Lockerheit in der Offensive und Aggressivität in der Defensive stellten sich nach einer Auszeit ein. Innerhalb von nur fünf Minuten hatten Kristoffer Moen und Jens Reinarz (3) mit vier Toren in Serie den Anschluss wieder hergestellt.
Nach dem Seitenwechsel tauchte zwar der in der ersten Hälfte blass gebliebene Kenneth Klev plötzlich mit drei wuchtigen und erfolgreichen Würfen auf, deutlich in Rückstand gerieten die Löwen dennoch. Mit eklatanten Fehlpässen und Technischen Fehlern wurden die Eisenacher eingeladen, mit 20:16 (39.) in Führung zu gehen.
Die abermalige Rückkehr ins Spiel löste der Aufstiegsaspirant mit Geduld und einer unbewussten Torschützen-Strategie, im Vier-Minuten-Takt immer einen anderen Akteur in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken. Nachdem sich die ThSV-Abwehr vermehrt auf den dreifach von Linksaußen erfolgreichen Jens Reinarz konzentriert hatte, setzte Henning Quade am Kreis die Akzente. Auf zwei Tore von Alexander Oelze – auf sein Konto ging der Ausgleich zum 24:24 (48.) – folgten wiederum Treffer von Jens Reinarz (2) und Henning Quade (3). Die erste BHC-Führung war zugleich das schönste Tor: der schwebende Kenneth Klev beim Kempa-Trick nach einem Zuspiel von Simon Kluge zum 29:28 (54.). Nur Jiri Vitek war bei der Aufholjagd der zweiten Hälfte nicht auffällig in Aktion getreten. Bis 27 Sekunden vor Schluss.





















