Bescheidener Leistungsträger
Seiner Verantwortung beim Handball-Zweitligisten Bergischer HC ist sich Jiri Vitek bewusst. Der Alleinunterhalter im rechten Rückraum trägt sie gerne, und sie motiviert ihn. Genauso wie seine beiden Kinder.
Jiri Vitek geht beim Bergischen HC in die vierte Saison. Nach zwei Spielzeiten mit vielen Höhen und Tiefen möchte der Tscheche an die Leistung des Vorjahres anknüpfen und somit seinen Teil zum Aufstieg in die Erste Liga beitragen. Foto: Martin Kempner
Jeder Spieler im Kader des Bergischen HC hat ein Pendant auf seiner Position. Auf Halblinks oder am Kreis tummeln sich sogar jeweils drei Akteure, die eingesetzt werden wollen. Nur einer ist beim Handball-Zweitligisten allein auf weiter Flur, und das bereits in der zweiten Saison: Jiri Vitek.
"Es wäre besser, wenn wir im rechten Rückraum zwei Leute wären. Wenn ich mal schlecht sein sollte, könnte ich mich für zehn Minuten auf die Bank setzen, das Spiel aufmerksam lesen und es dann besser machen."
In der vorigen Saison oder auch zum Saisonauftakt gegen den ThSV Eisenach ist Jiri Vitek nur dann ausgewechselt worden, wenn ihm die Puste verloren ging. Meist nur so lange, wie seine Mannschaft in der Abwehr stand. Wenn's gut (oder überhaupt nicht) läuft, darf Außen Tim Henkel oder ein Rechtshänder die Vitek-Vertretung mimen. Seiner Verantwortung ist sich der bescheidene Tscheche bewusst. "Ich weiß, dass ich eine wichtige Rolle in der Mannschaft spiele." Eine Situation, die ihn selbst im hohen Handballalter von 33 Jahren richtig anzutreiben scheint.
Nach zwei Spielzeiten mit vielen Höhen und Tiefen bei seinen Auftritten war die vergangene Saison Viteks erfolgreichste: Mit 158 Feldtreffern und 47 verwandelten Siebenmetern war Jiri Vitek der beste Torschütze des BHC und zugleich die Nummer Vier im Zweitliga-Süden. "Zuvor war ich noch nicht richtig frei im Kopf gewesen", blickt der zweifache Familienvater zurück. Nach seinem Wechsel aus Frankreich hatte er eine neue Sprache zu lernen, eine neue Kultur kennengelernt und sich auf eine andere Art von Training einzustellen. "Das alles war sehr schwer für mich."
Auch seine damalige Führungsrolle, die er in der Mannschaft hatte, habe ihn unter Druck gesetzt. "Auch weil es eine so tolle Truppe war. So eine Gemeinschaft hatte ich zuvor noch nie erlebt. Vor allem nicht in Frankreich." Heute sei die Qualität im Kader insgesamt höher, was Jiri Vitek Lockerheit zurückgegeben hat. Die Geburt seiner beiden Kinder sei in diesem Zusammenhang fast genauso bedeutend: "Bis im Alter von 30 Jahren war der Handball die Nummer Eins in meinem Leben. Plötzlich ist die Priorität eine ganz andere." Seine Kinder geben ihm noch mehr Motivation für den Sport.
In Vorbereitung alles gegeben
Nur zu gerne möchte Jiri Vitek an die Leistung der vorigen Spielzeit anknüpfen. Dafür ist der 77-fache Nationalspieler in der Vorbereitung bis an seine Grenzen gegangen. "Ich habe alles gegeben und war sehr müde. Aber wenn wir aufsteigen wollen, muss jeder besser werden. Auch ich, als einer der Ältesten." Die Erste Liga mit dem Bergischen HC zu erreichen, ist das große Ziel von Jiri Vitek. "Es darf sich nur keiner verletzten", sagt er. "Jeder Spieler ist wichtig." Das gilt insbesondere für den Linkshänder im rechten Rückraum.
von Guido Radtke




















