Maßnahmen der Hilflosigkeit
In den letzten elf Minuten vor der Halbzeit gab der Bergische HC das Spiel beim bislang sieglosen HSC Coburg aus der Hand. Den 11:18-Rückstand konnten die Löwen trotz zahlreicher Umstellungen nicht mehr aufholen, auch weil vier Siebenmeter nicht ihr Ziel fanden. Sie verloren 25:27.
Was hat der Bergische alles probiert. Defensiv im 6:0-Abwehr-Verbund. Diesen aufgelöst, um mit Christian Hoße und Mathias Fuchs auf der Spitze in der 4:2-Variante offensiver zu werden und in der Endphase zusätzlich mit Tim Henkel in der 3:3-Deckung noch einen Tick aggressiver zu werden. Torhüter Jan Stochl raus dem Kasten, elf Minuten später für den ebenso glücklosen Mario Huhnstock wieder rein in den Kasten. Sebastian Aschenbroich eingewechselt für Jiri Vitek, erst nur in der Abwehr, dann nach dessen fünftem abgeblockten Wurf auch im Angriff. Später versuchte sich auch Kristoffer Moen als Rechtshänder im rechten Rückraum, bis Vitek in den letzten Minuten auf seine angestammte Position zurückkehrte.
Die geballten Maßnahmen der Hilflosigkeit haben zumindest bewirkt, dass der Bergische HC das zwischenzeitlich drohende Debakel in der zweiten Halbzeit abwenden konnte. 11:18 hatte der bislang verlustpunktfreie Spitzenreiter der 2. Handball-Bundesliga Süd gegen den HSC Coburg (bis dato ohne Erfolgserlebnis) zur Pause zurückgelegen, um die zweite Hälfte mit 14:9 und die letzten neun Minuten mit 4:0 für sich zu entscheiden.
Dabei hätte alles so einfach sein können. Die Coburger, von ihren Fans vor Beginn per Plakat und Sprechchören zu "100 Prozent Teamgeist und Siegeswillen" aufgefordert, überdrehten nach ihrer frühen 4:1-Führung und steckten die Gäste mit ihrer hektischen Spielweise an. Jens Reinarz und Tim Henkel scheiterten in der Anfangsphase mehrfach an HSC-Keeper René Selke. Der zuletzt so überragende Jiri Vitek schaffte es bei seinen Versuchen wiederholt noch nicht einmal am Block vorbei. Erst nach einer Auszeit (14. / 5:7) wurde der BHC-Auftritt ruhiger.
Bis zum 9:10 durch Kristoffer Moen hatten die Löwen mehrfach die Chance zum Ausgleich. Mit der unmittelbar folgenden Zeitstrafe gegen den Norwegischer folgte der Bruch (19.). Unter der wilden Wechselei, die nach Moens zweiten Zwei Minuten folgte, litt der Zusammenhalt der Deckung. Einen Ball nach dem anderen verwerteten die Franken aus dem Rückraum, bis ihr Vorsprung auf acht Tore angewachsen war (35.). Dass die Aufholjagd ähnlich wie in Eisenach nicht von Erfolg gekrönt, lag dieses Mal an der Strafwurf-Quote. Mit jedem der vier verworfenen Siebenmeter wurde das Publikum lauter, dass mit seiner Unterstützung den Coburger die Kraft gaben, die sie eigentlich gar nicht mehr hatten.
von Guido Radtke




















