Großes Interview mit Kenneth Klev
Seit Oktober 2008 erst steht Kenneth Klev im Kader der Bergischen Löwen. Mit seiner Verpflichtung während der Saison vom Erstliga-Spitzenteam VfL Gummersbach gelang dem BHC ein bemerkenswerter Transfercoup. Der gleichsam defensiv wie offensiv starke Norweger hat sich schnell in die Herzen der bergischen Handball-Fans gespielt. Wir sprachen mit ihm über die Gründe seines freiwilligen Wechsel in die zweite Liga und seine Ambitionen für die Zukunft.
Kenneth, wie ist die Gefühlslage und die Stimmung in der Mannschaft nach der unglücklichen Niederlage in Münster?
Klev: Natürlich waren wir nach dem Spiel sehr enttäuscht, weil wir unglücklich verloren haben: Gerade zum Schluss sind uns leider einige entscheidende Fehler passiert. Aber insgesamt ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft weiter intakt. Trotz der letzten Misserfolge kann ich da grundsätzlich keine Veränderung der Stimmung im Vergleich zur Hinrunde feststellen.
Du bist erst während der laufenden Saison zum BHC gekommen. Wie kam es überhaupt zu diesem Wechsel?
Klev: Durch den kurzfristigen Trainerwechsel in Gummersbach war meine Situation plötzlich ganz anders. Ich habe in der Vorbereitung und auch zu Beginn der Saison fast nur am Kreis gespielt, hatte insgesamt wenig Spielanteile. Das war der Grund, mir etwas Neues zu suchen. Ich fühle mich in dieser Gegend, nahe an Köln und Düsseldorf sehr wohl. Da kam das Angebot der Bergischen Löwen gerade recht.
Ein bemerkenswerter Schritt. Statt Kölnarena und Ostseehalle, nun Schulturnhallen in Groß Bieberau und Erlangen.
Klev: Wir selber haben ja mit der Bayerhalle und der Klingenhalle noch mit die schönsten Hallen in der zweiten Liga. Und ehrlich: Es macht viel mehr Spaß in einer vollen Bayerhalle zu spielen als ständig in einer leeren Kölnarena. Klar ist es eine Umstellung, wenn Du plötzlich in kleinen Hallen mit nur einer Tribüne auf einer Seite spielst, die kleiner sind, als unsere Trainingshallen. Wobei ich ehrlich gesagt sogar lieber in etwas kleineren engen Hallen spiele, die immer voll sind und wo die Stimmung immer klasse ist.
Gab es weitere Umstellungen für Dich, beispielsweise die Schiedsrichter oder die Spielweise im Unterhaus?
Klev: Ja, in der Tat. Ich denke, in der ersten Liga kann der Abwehrspieler etwas härter zupacken als in Liga zwei, dort wird weniger geahndet. Dafür war ich überrascht, wie offensiv in der zweiten Liga gedeckt wird, wobei dies anscheinend auch nur in der Südgruppe so sein soll. Auf jeden Fall spielen hier viele Mannschaften eine 3-2-1-Deckung, ganz anders als in der Bundesliga, wo meist eine normale 6-0-Deckung gespielt wird.
Ihr steht trotz der letzten Niederlagen immer noch auf dem zweiten Tabellenplatz. Was ist in dieser Saison noch drin? Wie siehst Du die Perspektive auch für das kommende Jahr?
Klev: Man muss ehrlich sagen, dass wir großes Glück haben, in unserer aktuellen Lage immer noch Zweiter zu sein. Wir haben im Moment eine Phase, in der es einfach nicht rund läuft, wir weit unter unseren Möglichkeiten bleiben. Unser Ziel muss sein, schnell wieder die Leistungen aus der Hinrunde abzurufen, wo wir gezeigt haben, was in uns steckt. Das Ziel ist natürlich der zweite Tabellenplatz. Wobei es kurzfristig einfach darum geht, wieder gut und erfolgreich zu spielen, alles andere kommt dann automatisch.
Stichwort Aufstieg: Wie stehst Du zu dem Thema?
Klev: So wie wir aktuell spielen, wäre ein Aufstieg natürlich nicht gut. Aber in Bestform – warum nicht? Das Thema ist aber für uns sehr weit weg, für uns steht das kommende Spiel gegen Erlangen absolut im Fokus. Wir wollen wieder erfolgreich sein, allein das steht im Vordergrund!
Du kennst ja die erste Liga. Was ist denn schon erstklassig beim BHC?
Klev: Wir haben wirklich eine prima Trainingskultur. Wir trainieren als Mannschaft immer ernsthaft und hart. Dazu sind wir wirklich eine Einheit auch außerhalb der Halle, bei uns gibt es keine Grüppchenbildung, wie es in anderen Vereine manchmal der Fall ist. Gut ist auch, dass viele Spieler aus der Region im Kader stehen. Das ist gut für die Identifikation der Fans mit dem Team. Wir sind sicher im Vergleich mit Gummersbach ein kleiner Verein, was aber gar nicht schlecht sein muss. Unsere medizinische Betreuung durch MediFit ist auf jeden Fall erstklassig.
Sind die Hallen und die Fans auch reif für die erste Liga?
Klev: Ich denke, das Zuschauerpotenzial ist sogar größer in der ersten Liga, als es die Hallen hergeben. Aber wie gesagt, lieber immer eine volle Halle als eine zu große Halle, die dann halbleer ist. Die Zuschauer sind wirklich klasse beim BHC. Natürlich erwarten sie immer Siege von uns, aber das ist okay, das ist auch unser Anspruch.
Was muss denn noch verbessert werden für die erste Liga?
Klev: Das kann ich so gar nicht im einzelnen sagen. Wir müssen wohl in allem noch eine Schippe drauf legen. Der Sprung ist schon groß.
Wie siehst Du Deine bisherige Leistung selber?
Klev: Ich spiele aktuell nicht dass, was ich selber von mir erwarte, ganz klar! Aber ich will einfach positiv bleiben, es bringt schließlich nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Irgendwann platzt bei mir bestimmt wieder der Knoten, am besten schon gegen Erlangen.
Du warst bei der WM 2009 im vorläufigen Kader der norwegischen Nationalmannschaft. Wie siehst Du dort Deine weitere Perspektive? Hast Du Dir in diese Richtung ein Ziel gesetzt?
Klev: Nein, das ist aktuell gar kein Thema für mich. Ich konzentriere mich voll und ganz auf den BHC. Dort will und muss ich meine Leistung bringen. Klappt dies, und Nationaltrainer Robert Hedin beruft mich wieder in den Nationalkader, ist das für mich ein Bonus, auch, weil es sehr viel Spaß macht, in diesem Nationalteam zu spielen. Ich kenne alle Spieler, bin mit etlichen Spielern richtig gut befreundet. Norwegen ist ja ein kleines Handball-Land, da kennt man sich automatisch sehr gut.
Bei der WM 2009 gab es das fast schon legendäre Spiel Deiner Norweger gegen Deutschland. Wie hast Du das Spiel erlebt?
Klev (lacht): Das Spiel habe ich in Solingen in einer Gaststätte gesehen. Nach dem Spiel habe ich lieber erst einmal eine komplette Runde Bier gegeben, da ich mich vorher als Norweger zu erkennen gegeben hatte, um die Gemüter ein wenig zu beruhigen (lacht wieder). Tja, zu den Schiedsrichtern: Schwer zu sagen. Sicher hätten sie zum Schluss Time-Out geben können. Aber mal ehrlich: Im Handball ist der Job der Schiedsrichter sehr schwer. Ich könnte und wollte diesen Job niemals selber machen.
Im Moment ist leider das Thema Korruption ein ganz heißes Thema rund um den Handball. Wie siehst Du die Vorwürfe rund um den THW Kiel und auch einzelne Schiedsrichter?
Klev: Da habe ich wirklich keine Meinung zu. Das sind aktuell Gerüchte, die einfach nicht gut für den Handball sind. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Du hast selber lange Jahre im Europapokal gespielt. Gab es da Spiele, die merkwürdig gelaufen sind?
Klev: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich habe selber lange Jahre mit Sandefjord Europapokal gespielt, da habe ich nichts Auffälliges erlebt. Sicher war gerade bei Auswärtsspielen manchmal das Gefühl da, dass die Heimmannschaft etwas bevorteilt wird. Aber das ist fast schon normal, allein durch die Tatsache, dass Schiedsrichter sich unbewusst von der Stimmung der Zuschauer beeinflussen lassen. Aber Bestechung? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.
Letzte Frage: Wie ist Dein Tipp für das Spiel gegen Erlangen?
Klev: Wir werden auf jeden Fall wieder kämpferisch alles geben und dann hoffentlich auch wieder gewinnen.
Kenneth, vielen Dank für das Gespräch!




















