Bergischer HC
Der BHC erwischt in Stuttgart einen denkbar schlechten Start
Foto: Jörg Richter

Beinahe vollzählig – Fabian Gutbrod fiel mit einer Patellasehnenverletzung aus – gingen die Bergischen Löwen in die bedeutende Partie beim TVB 1898 Stuttgart, erwischten aber bei der 23:25 (9:10)-Auswärtsniederlage gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt einen denkbar schlechten Start.

Die Gastgeber machten in der mit 2.251 Zuschauern restlos ausverkauften SCHARRena von Beginn an klar, um was es im Duell gegen den Bergischen HC gehen würde, und setzten den Gästen aus dem Bergischen in jeder Aktion gleich körperlich robust zu. Teilweise zu doll, befanden die Unparteiischen Nils Blümel und Jörg Loppaschewski, die den TVB innerhalb der ersten sechs Minuten gleich zwei Zeitstrafen gegen Schimmelbauer und Fotache aufbrummten. Während der ersten Strafzeit glich Hoße zum 1:1 aus, während Hinausstellung Nummer Zwei ohne Zählbares blieb. Zuvor allerdings hatte Moritz Preuss bereits den sehenswertesten BHC-Treffer in Durchgang Eins erzielt, als er sich aus dem Gewusel lösen und per Kempa-Trick nach Anspiel von Rechtsaußen Arnor Gunnarsson vollenden konnte.

Der körperbetonte Auftritt der Hausherren ließ so recht keinen Spielfluss im Spiel der Löwen aufkommen – Hinze brachte nach etwas mehr als zehn Minuten Mannschaftskapitän Viktor Szilagyi für den von Beginn an auf der Platte stehenden Alexander Oelze. Nur eine Minute später bereits die dritte Strafzeit für den TVB, in der Johannes Bitter den Versuch von Gunnarsson entschärfte und seine Vorderleute in Unterzahl zur 4:3-Führung einnetzten (12.). Auf Seiten des BHC glich Szilagyi gleich wieder aus. Nun packte auch das Löwenrudel immer mehr beim Gegner zu und nach Ablauf der Anfangsviertelstunde war das Spiel endgültig ein harter Fight, seiner tabellarischen Bedeutung entsprechend - die erste Strafzeit bei den Gästen zog Kreisläufer Maximilian Weiß und Stuttgart erhöhte auf 6:4 (16.).

Als der BHC wieder vollzählig war, nahm Sebastian Hinze eine Auszeit und tauschte die Hermann-Zwillinge gegen Inal Aflitulin und Maciej Majdzinski, die Tore zum 5:6 (17.) und 6:6 (18.) erzielte allerdings Christian Hoße per Tempogegenstoß-Doppelschlag. Der TVB hielt weiter dagegen und zog in der weiterhin ruppig geführten Partie auf 9:6 (22.) davon, auch dank einer starken Torhüterleistung von Neuzugang Johannes Bitter, der beim 9:7 (25.) aus Stuttgarter Sicht gegen Moritz Preuss glänzend parierte und auch in der folgenden Unterzahlsituation für sein Team erneut Gunnarsson den Zahn zog, um dann das 10:7 seiner dezimierten Mannschaft zu bejubeln. Die Probleme bei den Bergischen, sie waren offensichtlich – Vorne leisteten sich die Löwen zu viele Ballverluste und hatten in der Defensive trotz ordentlichem Auftritt der Abwehr aber fehlenden Paraden oftmals das Nachsehen. Und so brachte Hinze noch vor der Pause Christopher Rudeck für Gustavsson zwischen die Pfosten, der sich gleich beim Tempogegenstoß gegen Spatz auszeichnete und so die Grundlage für die Löwentreffer Acht und Neun beim 10:9-Halbzeitstand legte.

Mit einem Blitzstart setzten sich die Baden-Württemberger mit dem Wiederanpfiff gleich auf 14:11 (35.) ab, doch die Gäste nutzten eine doppelte Überzahlsituation nach Zeitstrafen gegen Schöbinger und Schweickardt mit Treffern von Nippes und Szilagyi zum 13:14 (36.), konnten aber in der Folge nur phasenweise über das Tempospiel Druck auf den TVB ausüben, der nun die Freiheiten im Rückraum ausnutzte, um den BHC-Defensivverbund zum 17:14 (42.) zu überwinden. Insgesamt konnten die Löwen nun mehr reagieren als agieren, den Unterzahltreffer von Alex Hermann zum 15:17 (42.) konterten die Hausherren mit zwei Überzahltreffern zur 19:15-Führung (44.). Und so konnte das Team von TVB-Coach Thomas König auch die Schlussviertelstunde erfolgreich gestalten und den aufkommenden BHC auch beim 22:20 (56.) und 24:22 (58.) weiter in Schach halten und einen verdienten 25:23-Heimsieg einfahren, mit dem der BHC im Abstiegskampf zunächst den Kontakt auf die Stuttgarter Konkurrenz zu verlieren droht.

Löwengebrüll – die Stimmen zum Spiel
Sebastian Hinze: „Glückwunsch an Thomas und den TVB zu einem verdienten Sieg in einem hart umkämpften Spiel. Mit etwas mehr Abgezocktheit hätten wir in der ersten Halbzeit eine Führung für uns generieren könne, aber unser Angriffsspiel kam ins Stocken und wir liegen folgerichtig mit Dreien zurück, kommen aber zurück und zur Halbzeit glücklich auf 10:9 ran. Für die zweite Halbzeit haben wir uns dann vorgenommen besser reinzukommen, was über die zweite Welle und die schnelle Mitte dann auch klappt - leider aber wieder nur phasenweise. Kämpferisch war die Leistung voll und ganz ok, aber insgesamt war es im Angriff und dem Konterverhalten im Vergleich zur Vorbereitung zu wenig und nicht mutig genug.“
Thomas König: „Die Glückwünsche nehme ich heute besonders gerne an - wir kommen etwas schwer rein, decken aber gleich intensiv und verteidigen engagiert während der Zeitstrafen. Dann können wir auf 6:4 davonziehen und müssten eigentlich mehr als nur ein 10:9 zur Pause daraus machen. Auch uns hat in der zweiten Halbzeit unter dem Druck der wichtigen Partie etwas der Mut und Konsequenz gefehlt, denn es stand viel auf dem Spiel. Mit dem Glück des Tüchtigen und einer starken Unterzahl-Abwehr haben wir den Sieg über die Zeit gebracht.“
Jörg Föste: „Ausschlaggebend für einen verdienten Sieg der Gastgeber war der Torhüter, denn Bitter hatte mit elf, teils freien Paraden maßgeblichen Anteil. Wir haben die gute Deckung aus der ersten Halbzeit im weiteren Verlauf nicht für einen Erfolg ummünzen können. Nun müssen wir intensiv auf die guten Deckungsaspekte in der kommenden Trainingswoche aufbauen und nach Berlin fahren um etwas zu holen.“

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul - Schimmelbauer (2), Schöbinger (1), Weiß (7), Schweikardt (1), Kisum (1), M’Bengue (4), Coric, Baumgarten (1), Fotache, Heib, Kretschmer, Spatz (8/6). Trainer: Thomas König
Bergischer HC: Gustavsson, Rudeck – Hoße (4), A. Hermann (5), Jonovski, Szilagyi (3), Oelze, Aflitulin, Weiß (1), Preuss (3), Nippes (2), M. Hermann (1), Majdzinski, Gunnarsson (4/1). Trainer: Sebastian Hinze
Schiedsrichter: Nils Blümel und Jörg Loppaschewski  
Siebenmeter: 6/6 – 1/1
Zeitstrafen: 8 – 3 (Schimmelbauer (2), Fotache (2), Weiß, Schöbinger, Schweikardt, Bitter – Weiß (2), A. Hermann)
Spielverlauf: 1:2 (5.), 3:3 (10.), 5:4 (15.), 7:6 (20.), 9:7 (25.), 10:9 (30.), 14:12 (35.), 16:14 (40.), 19:15 (45.), 19:17 (50.), 22:19 (55.), 25:23 (60.)